Nach dem Kulturhauptstadtjahr 2025 und der Bundestagswahl im Februar 2025 wartet der Chemnitzer Wohnungsmarkt mit ambivalenten Daten auf: Dem leichten Bevölkerungsrückgang (-630 auf 251.069 Einwohner Ende 2025) stehen erstmals wieder steigende Studierendenzahlen an der TU Chemnitz sowie die höchste Haushaltezahl in diesem Jahrtausend (136.000) entgegen. Obwohl die Arbeitslosigkeit wächst und die Wirtschaft bestenfalls als "in Seitwärtsbewegung befindlich" beschrieben werden kann, durchbricht der Mietwohnungsmarkt bei den durchschnittlichen Angebotsmieten erstmals die 6 €/m²-Grenze (+4 % im Vergleich zum Vorjahr), steigen die Spitzenmieten auf ca. 15 €/m². Der Blog-Artikel stellt 14 Kernbefunde des "Datenreport Wohnungsmarkt Chemnitz 2026" für die Gesamtstadt vor (kleinräumige Befunde auf Stadtteilebene finden sich im Report).
1. Einwohnerentwicklung
Chemnitz verliert im Kulturhauptstadtjahr rund 600 Einwohner und registriert erstmals seit den Corona-Jahren 2020/2021 wieder einen Bevölkerungsverlust auf (-0,25 %). Ende des Jahres 2025 wohnen 251.000 Menschen in der Stadt. Vor allem durch die Zuwächse der Jahre 2022 und 2023 – zu großen Teilen aus der Ukraine – weist Chemnitz heute rund 7.400 Einwohner mehr auf als noch zum 31.12.2021 auf. Die Einwohnerzahl vom 31.12.2025 ist – klammert man minimal höhere Werte von Ende 2023 und 2024 aus – die höchste seit dem Jahr 2002.
Ein Blick in die Stadtteile und deren Bevölkerungsentwicklung 2025 zeigt durchaus überraschende Befunde: Es ist der Stadtteil Morgenleite, der in den 12 Monaten das größte absolute Bevölkerungsplus (+159) verzeichnen konnte. Danach folgen das Zentrum (+144), das Lutherviertel (+122), Kappel (+93) und der Sonnenberg (+89). Zusätzlich im Plus: Adelsberg, Rabenstein, Kapellenberg, Siegmar und Hutholz.
29 Stadtteile verlieren an Bevölkerung, darunter am meisten Einsiedel (-223), Kaßberg (-129) und Altchemnitz (-121). Teile der Rückgänge in Einsiedel und Altchemnitz gehen auf das Konto geringerer notwendiger Erstaufnahmekapazitäten. Alle weiteren Stadtteile mit Rückgängen verlieren maximal zweistellige Bevölkerungszahlen.
Zoomt man etwas weiter heraus und blickt auf die letzten fünf Jahre der Bevölkerungsstatistik in den Stadtteilen, so zeigen sich innerstädtisch (vor allem Sonnenberg und Zentrum) und im Heckert-Gebiet deutliche Zuwächse, während der komplette Speckgürtel der Stadt (mit Ausnahme Rabenstein) Rückgänge zu verzeichnen hat. Der Zuzug ausländischer Bevölkerung erfolgt primär in urbane Mietwohnungsgebiete, während der Stadtrand durch seine Demographie altert und mangelnder Zuzug zu Schrumpfungsprozessen führt.
2. Geburten und Sterbefälle
Die Schere zwischen Geburten und Sterbefällen in Chemnitz geht weiter auseinander. Erneut rückläufige Geburtenzahlen in Verbindung mit traditionell hohen (demographisch bedingten) Sterbefallzahlen führten erneut zu einem Sterbeüberschuss von rund 2.000 Menschen in der Stadt.
Bei der sinkenden Zahl an Geburten (nur noch rund 1.600 Geburten) in der Stadt stellt sich langsam die Frage, wann die Talsohle erreicht ist. Ein erneuter Rückgang 2025 um ca. 5 % führte statistisch zu 6,4 Geburten pro 1.000 Einwohner und dem Befund, dass „eigentlich weniger schon gar nicht mehr geht“. 2017 hatte Chemnitz rund 50 % mehr Geburten als 2025 (damals 9,9 Geburten pro 1.000 Einwohner). Der Fairness halber muss allerdings ergänzt werden, dass rückläufige Geburtenzahlen in allen deutschen Großstädten derzeit auftreten. In Leipzig beispielsweise gingen die Geburten von 6.976 (2017) um 36 % auf 4.458 (2025) zurück.
Im Bereich der Sterbefälle sind die Entwicklungen aufgrund der Altersstruktur, vor allem in Anbetracht der vielen Hochaltrigen ab 80 Jahren, besser prognostizierbar und weniger dynamisch. 2025 starben mit 3.600 Menschen vergleichbar viele wie in den Vorjahren. Die Werte werden weiterhin hoch bleiben und mittelfristig nicht sinken. Vielen Chemnitzern wird ein langes Leben geschenkt: im Kulturhauptstadtjahr wohnten mehr als 25.000 Menschen mit einem Alter von 80+ in der Stadt (zum Vergleich: zur Jahrtausendwende waren es 12.000.)
In Verbindung mit dem Sterbeüberschuss des Jahres 2025, der sogar noch leicht über dem der Jahre 2020/2021 lag, als Corona in Chemnitz für Rekordsterblichkeiten sorgte, verzeichnete Chemnitz in den letzten 10 Jahren rund 16.000 mehr Sterbefälle als Geburten. Um ihre Bevölkerung stabil zu halten oder gar wachsen zu können, benötigt die Stadt – zumindest aus Sicht der Bevölkerungsstatistik – Zuzug bzw. Zuwanderung.
3. Zuzüge und Wegzüge
Auch 2025 konnte Chemnitz ein positives Wanderungssaldo erzielen. Mit rund 15.600 Zuzügen und 14.300 Wegzügen verzeichnet die Stadt das vierte Jahr in Folge einen Wanderungsgewinn (+1.300). Somit konnte Chemnitz seit 2017 in acht von neun Kalenderjahren Bevölkerungsgewinne durch Zuzug registrieren (insg. +19.000), wobei sich der wanderungsbedingte Bevölkerungsgewinn 2025 im Vergleich zu 2024 (+2.200) reduzierte, im Vergleich zu den Ukraine-Sonderjahren 2022 (+7.085) und 2023 (+4.544) signifikant zurückging. Sechs von zehn Zuzügen nach Chemnitz stammen aus dem Ausland – die in Chemnitz existierenden Erstaufnahmeeinrichtungen sorgen dabei nicht nur für Zuzüge, sondern bei Verteilung auf andere sächsische Kommunen auch für Wegzüge.
4. Haushaltsstrukturen
In Chemnitz existierten Ende 2024 136.000 Haushalte. Die Bevölkerungsentwicklung des Jahres 2025 dürfte nicht zu einer signifikanten Verringerung der Zahl der Haushalte geführt haben (schlimmstenfalls maximal niedrig dreistellig). Die letzten Jahre haben gezeigt, dass konstante Einwohnerzahlen immer mit leicht steigenden Haushaltszahlen einhergegangen sind. Das positive Wanderungssaldo führte im Saldo immer zu mehr Haushalten, als diese durch Sterbefälle wegfielen. Insgesamt ist die Zahl der Haushalte in den letzten Jahren deutlich gestiegen, vor allem 1-Personenhaushalte haben deutlich zugenommen. Inzwischen sind 51 % der Haushalte in Chemnitz 1-Personen-Haushalte, weitere 30 % 2-Personen-Haushalte. 10 % der Haushalte werden von drei Personen, 9 % von 4 und mehr Personen bewohnt.
Im Schnitt wohnen je Haushalt 1,8 Menschen – die Zahl ist 2024 wieder minimal kleiner geworden. Insgesamt ist die Struktur der Haushalte großstädtisch geprägt, vor allem innerstädtisch sind die Haushalte im Mittel kleiner, am Stadtrand infolge der hohen Eigentumsquote größer (durchschnittlich größer als 2 Personen).
5. Ausländische Bevölkerung
Die Zahl der ausländischen Bewohnerschaft in Chemnitz steigt Ende 2025 auf knapp 38.000; sie bildet somit inzwischen 15,1 % der städtischen Bevölkerung ab. Der Anstieg im Jahr 2025 (+1.000) fällt dabei im Vergleich zu den Vorjahren deutlich moderater aus (2022: +7.200 | 2023: +4.600 | 2024: +2.100). Sinkende Asylbewerber- und Flüchtlingszahlen trugen zu diesem Rückgang bei. Ungeachtet dessen hat sich die Zahl der in Chemnitz lebenden Ausländer seit Anfang 2022 um fast 15.000 Menschen erhöht. Die vier größten Ausländergruppen in Chemnitz sind Menschen aus der Ukraine, aus Syrien, Afghanistan und Rumänien; die Verteilung der ausländischen Bevölkerung in der Stadt ist allerdings weitaus vielfältiger (besonders EU-Ausländer ergänzen das Gesamtbild). Vor allem in den Altersgruppen bis 40 Jahren ist der Ausländeranteil deutlich höher als im Gesamtdurchschnitt aller Einwohner der Stadt. Die Verteilung der ausländischen Bevölkerung in den Stadtteilen ist sehr ungleich, konzentriert sich nahezu ausnahmslos auf urbane Stadtteile. Im Stadtteil Zentrum beträgt der Ausländeranteil inzwischen 43 %.
6. Studierende
Die Zahl der Studierenden an der TU Chemnitz ist 2025 erstmals seit rund einem Jahrzehnt wieder gestiegen. Sie lag im Wintersemester 2025/2026 bei 8.450 und damit rund 350 über dem Vorjahreswert. Im Vergleich zum Spitzenwert von 2015 (damals 11.400) ist dennoch ein Rückgang von rund 25 % zu verzeichnen. Rechnerisch kommen auf 100 Einwohner in Chemnitz somit 3 Studierende.
Erstmals seit 2011 stieg dabei die Zahl der Studierenden mit deutscher Staatsbürgerschaft wieder leicht an, während die Zahl der ausländischen Studierenden seit 2015 relativ gleich ist. Ob steigende Erstsemesterzahlen der TU Chemnitz (+28 %) in Verbindung zu Aktivitäten der Kulturhauptstadt 2025 stehen oder aus einem entsprechenden Imagegewinn durch die Kulturhauptstadt resultieren, ist denkbar, statistisch allerdings nicht nachzuweisen. Die Folgejahre werden zeigen, ob hier ein steigender Trend erkennbar ist.
7. Familien
Die Zahl der Familien in Chemnitz – abgebildet über Haushalte, in denen mindestens eine Person unter 18 Jahren wohnt – fiel 2024 leicht auf rund 24.100. Sinkende Geburtenzahlen 2025 dürften zu einer weiteren minimalen Verringerung des Wertes geführt haben. Insgesamt sind die Familien in den letzten 10 Jahren dennoch deutlich mehr geworden (+10 % seit 2015). In 17 % aller Chemnitzer Haushalte wohnte Ende 2024 mindestens ein Kind oder ein Jugendlicher (unter 18 Jahren): in 54 % der Familien wohnte exakt ein Kind im Haushalt, in 34 % genau zwei, in 12 % drei und mehr Kinder.
8. Kulturhauptstadt 2025
Chemnitz war im Jahr 2025 „Europäische Kulturhauptstadt“ und zog mit seinem vielfältigen Programmangebot nicht nur Gäste und Touristen aus ganz Deutschland an (offiziell 2 Millionen Besucher), sondern erfuhr auch medial eine überregionale Berichterstattung, die erstmals seit Jahren thematisch neue Narrative lieferte und sich möglicherweise mittel- bis langfristig auf das Image der Stadt und damit auch auf Kernparameter der Stadtentwicklung (z. B. verstärkter Zuzug) auswirken könnte. Aktuell sind vor allem touristische Effekte (Übernachtungen, Besucherzahlen) in der Stadt Chemnitz nachweisbar. Es wird im Jahr 2026 eine Reihe von Studien geben, die sich mit tiefergehenden Befunden auseinandersetzen, aus denen eventuell Folgen für den Wohnungsmarkt ablesbar sein werden.
9. Wirtschaft, Arbeit und Einkommen
Eine im Vergleich zu den letzten Jahren rückläufige Inflation (2022: 6,9 % | 2023: 6,5 % | 2024: 2,9 % | 2025: 2,2 %) und eine wirtschaftliche Seitwärtsbewegung kennzeichnen das Jahr 2025 in Chemnitz. Die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Arbeitsplätze am Arbeitsort Chemnitz ging erneut minimal auf 117.000 zurück (-500), während die Arbeitslosigkeit erneut anstieg und mit 12.000 Personen ein Niveau erreichte, wie es letztmalig 2013/2014 gemessen wurde. Die Arbeitslosenquote in Chemnitz beträgt inzwischen 9,5 %.
Das Chemnitzer Bruttoinlandsprodukt liegt inzwischen bei deutlich über 11 Mrd. Euro (2023: 10,8 Mrd. €), erreicht damit allerdings - preisbereinigt – nicht höhere Werte als jene aus den Jahren 2018/2019. Die Chemnitzer Wirtschaft wächst seit einigen Jahren nun bereits real nicht mehr; Effekte der Kulturhauptstadt dürften in Teilbranchen messbar sein, werden allerdings durch den Rückgang der Gesamt-Beschäftigung relativiert.
Im Sommer 2025 hatten ca. 94.100 Chemnitzer eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung (Wohnort; -350 im Vergleich zum Juni 2024). Die Bevölkerungsentwicklung der letzten vier Jahre (+7.400) hat sich bislang nur bedingt in Beschäftigung umgemünzt: die Zahl der Chemnitzer mit sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung stieg nur 700 (Zeitraum 06/2021 bis 06/2025). Die Einkommenssituation der Chemnitzer Haushalte stellt sich 2025 differenziert dar. Die Gesamtheit der Erwerbstätigen verzeichnete 2024/2025 erstmals wieder Reallohnzuwächse, die sich jedoch durch die Einbußen der Vorjahre relativieren müssten. Es ist davon auszugehen, dass einkommensstarke (Doppel-Verdiener-)Haushalte weiterhin hochwertigen Wohnraum nachfragen und diesen auch bezahlen problemlos können. Auch Geringverdienende konnten überdurchschnittliche Nominallohngewinne verzeichnen, sodass sich deren Kaufkraft erhöht haben dürfte. Weiterhin Probleme dürften all jene Personen im unteren Bereich der Einkommensskala haben, deren Einkommen unverändert blieb und somit nicht die Inflation der letzten vier Jahre (+20 % insgesamt) ausgleichen konnten. Deren Kaufkraft dürfte gesunken bzw. geringe Einkommenssteigerungen in hohem Maße in die Nebenkosten des Wohnens und in steigende Lebensmittelpreise geflossen sein. Rentnerhaushalte profitierten von Rentenanpassungen, die nominal relativ hoch ausfielen (2022: 6,1 % | 2023: 5,9 % | 2024: 4,6 % | 2025: 3,7 %) und sich de facto parallel zur Gesamtinflation entwickelten. Bedenkt man die Struktur der 2022 bis 2025 nach Chemnitz gezogenen Menschen, die Inflation und deren Einfluss auf die gesamtstädtische Bevölkerung, so dürfte sich die Einkommensungleichheit in der Stadtgesellschaft in diesem Zeitraum vergrößert haben.
10. Mietspiegel der Stadt Chemnitz 2025-2027
Der Qualifizierte Mietspiegel der Stadt Chemnitz 2025 wurde via Regressionsanalyse (mit neuer Datenbasis) erstellt und löst nach nur 18 Monaten den Mietspiegel Chemnitz 2024 ab. Der Mietspiegel Chemnitz 2025 ist seit 01.07.2025 gültig und ermittelt für diverse Wohnungstypen in Abhängigkeit von Lage, Größe, Ausstattung, Baujahr die sog. „ortsübliche Vergleichsmiete“ im Sinne BGB § 558. Die Preise werden via Basismiete dargestellt, müssen über Zu- und Abschläge (Ausstattungs- und Lagevariablen) und einige Rechenschritte präzisiert werden. Die Basismieten schwanken in allen Baujahren bis 1990 (von „bis 1924“ bis „1970-1990“) zwischen 5,11 €/m² und 6,31 €/m². Nach 1990 (bis 2013) errichtete Wohnungen liegen preislich höher (Spanne von 5,91 bis 7,54 €/m²); Spitzenmieten werden im Segment „erbaut ab 2014“ erzielt (8,33 €/m² bis 11,19 €/m²). In 20 von 40 Tabellenfeldern des Mietspiegels werden die Basismieten von einer 5 vor dem Komma angeführt, in weiteren 14 liegen die Werte zwischen 6 und unter 7 €/m².
Der aktuelle Mietspiegel der Stadt Chemnitz 2025 (erfahrungsgemäß mit einer Laufzeit von 24 Monaten) ersetzt den Mietspiegel 2024, der wiederum am 01.01.2024 in Kraft getreten war und als Fortschreibung des Chemnitzer Mietspiegels von 2022 pauschal dessen Basismieten (nach empirischer Erhebung) um 4,4 % erhöht hatte. Im Rahmen der 2025er-Neuerstellung wurden nicht nur aktuelle Preise („ortsübliche Vergleichsmieten“), sondern auch mietpreisbildende Variablen („Wohnwertmerkmale“) überprüft, hinzugefügt bzw. abgeschafft. Vergleicht man die Basismieten der Mietspiegel 2022 und 2025, so zeigen sich in allen Baujahres- und Wohnungsgrößenklassen Preisaufschläge. Am konsistentesten sichtbar sind diese bei Wohnungen ab 100 m². Die geringsten Steigerungen finden sich in den mittelgroßen Wohnungen zwischen 40 und 85 m². Zwischen der Veröffentlichung beider Mietspiegel liegen insgesamt 3,5 Jahre (42 Monate). Bei einer durchschnittlichen Erhöhung (über alle aufgezeigten Felder) von rund 50 Cent in diesem Zeitraum kann davon gesprochen werden, dass sich die ortsüblichen Vergleichsmieten in Chemnitz in ihrer Gesamtheit jährlich um rund 15 Cent (im Mittel) je Quadratmeter erhöht haben.
11. Angebotsmieten im Herbst 2025
Die im Rahmen der FOG-Wohnungsmarktstichprobe ermittelte durchschnittliche Angebotsmiete lag im November 2025 bei 6,09 €/m², ein Plus von 4,1 % im Vergleich zum Vorjahr (5,85 €/m²; 5,65 €/m² vor 24 Monaten).
90 % aller Angebotsmieten liegen in einer Spanne von 4,68 €/m² bis 8,74 €/m². Das günstigste Drittel aller Wohnungsangebote kostete maximal 5,50 €/m², das zweite Drittel bündelt sich zwischen 5,50 €/m² und 6,05 €/m². Das teuerste Drittel liegt zwischen 6,05 €/m² und 19,94 €/m². Nur 13 % aller im Herbst 2025 angebotenen Wohnungen kosteten mehr als 7,00 €/m²; jedes 22. Angebot war teurer als 9,00 €/m². 10 % der Angebote vom Herbst 2025 sind weiterhin unter 5,00 €/m² zu mieten.
Im 5-Jahres-Zeitraum seit 2020 (damals 5,28 €/m² im Mittel) sind die Angebotsmieten in Chemnitz um 15 %, im 10-Jahres-Horizont seit 2015 (damals 4,88 €/m²) um 25 % gestiegen. Hierbei muss allerdings die Inflation betrachtet werden. Diese ist seit 2020 um 24 % gestiegen, seit 2015 um 31 %.
In Abhängigkeit von Größe und Sanierungszustand unterscheiden sich die Angebotsmieten deutlich. Bestandswohnungen waren im Herbst 2025 für durchschnittlich 5,87 €/m² im Angebot, neu errichtete Wohnungen kosteten 14,32 €/m², Wohnungen in Totalsanierungen 8,77 €/m². Möblierte Wohnungen wurden mit 10,22 €/m² angeboten. Kleine Wohnungen (bis 45 m²) und große Wohnungen ab 86 m² sind - bezogen auf den Quadratmeterpreis – in Chemnitz die teuerste Wohnungsgrößenklasse, während Wohnungen mit 2 oder 3 Räumen (bzw. zwischen 45 und 75 m²) jeweils unter dem mittleren Quadratmeterpreis zu mieten sind. Die Preisunterschiede zwischen den einzelnen Gebietstypen (z. B. Wohnungen in Plattenbaugebieten vs. Wohnungen in Gründerzeitgebieten) sind dagegen zu vernachlässigen. Der Leerstand hat dafür gesorgt, dass hier – für die Gesamtheit der Wohnungen in einem Gebiet gesprochen – nahezu überall die gleichen Preise aufgerufen werden. Auch die Preisunterschiede zwischen den Stadtteilen sind gering: alle Chemnitzer Stadtteile mit mehr als 10.000 Einwohnern (Kaßberg, Sonnenberg, Gablenz, Bernsdorf, Zentrum, Schloßchemnitz, Markersdorf, Altendorf) liegen – ihre Angebotsmiete betreffend – in einer Spanne von 0,71 €/m² (5,68 €/m² bis 6,39 €/m²). 2024 waren es 0,92 €/m² (5,50 €/m² bis 6,42 €/m²).
Auffällige Ausschläge (nach oben) in der Preisstruktur von Stadtteilen und kleineren Teilgebieten sind immer nur dann zu registrieren, wenn größere Bauaktivitäten festzustellen sind, wenn ein Bündel von komplettsanierten Wohnungen oder Neubauten (Fertigstellung 2024/25) auf den Markt kommt: weniger als 5 % der im Rahmen der FOG-Wohnungsmarktstichprobe 2025 erhobenen Wohnungen wurden als „Neubau / Komplettsanierungen“ registriert; sie kosteten im Schnitt 10,75 €/m² und lagen in einer Spanne von 7 €/m² bis 15 €/m².
Klammert man alle Sonderformen aus und wertet nur „normale“ Standard-Wohnungen aus (kein Neubau, keine Sanierungen, keine Einbauküche, keine Möblierung), so lag die mittlere Angebotsmiete bei 5,79 €/m² – 20 Cent höher als 2024 (+3,7 %) und 34 Cent höher als 2023.
12. Nebenkosten/Betriebskosten im Herbst 2025
Veranschlagte Nebenkosten werden im Rahmen der FOG-Wohnungsmarkt-Stichprobe erhoben. Diese messen die angesetzte Vorauszahlung an kalten und warmen Betriebskosten, nicht den realen Verbrauch bzw. die tatsächliche Nebenkostenabrechnung (Hinweis: nahezu alle Mietwohnungen in Chemnitz werden aktuell via Gas beheizt; entweder via Zentralheizung oder via Fernwärmenetz, dessen Wärme in Chemnitz derzeit über Gas erzeugt wird). Die durchschnittliche Nebenkostenhöhe in den Wohnungsanzeigen (kalte und warme Nebenkosten) in Chemnitz lag im Herbst 2025 bei 2,74 €/m² und ist seit 2022 um 10,5 % gestiegen. Somit fußt die Warm(angebots)miete in Chemnitz zu 69 % auf der Grundmiete und zu 31 % auf den Nebenkosten. Aufgerufene Nebenkosten-Preise von GGG, Genossenschaften und „freiem Wohnungsmarkt“ liegen im Mittel verblüffend nah beieinander (2,73 €/m² bis 2,75 €/m²). Die Steigerung der Kosten für Haushaltsenergie (+60 % seit 2020) hat in den letzten Jahren mehr zu Erhöhung der Wohnkosten beigetragen als die Erhöhung der Grundmieten.
13. Auffindbare Mietwohnungsangebote
Das für den Wohnungssuchenden (online) auffindbare Wohnungsangebot umfasst weiterhin mehrere tausend Wohnungen, ist aber in den letzten Jahren rückläufig gewesen. Bei Immobilienscout waren in Chemnitz im September 2025 2.600 Wohnungen in der Stadt verfügbar, bei Immowelt/-net 2.100, bei Ebay Kleinanzeigen 1.500. Die GGG bietet auf ihrer Website 900 Wohnungen, die Gesamtheit der Wohnungsgenossenschaften zusammen rund 300 Einheiten an. Da zwischen den Portalen und Websites der Vermieter vielfältige Wohnungsdoppelungen existieren, dürften maximal 4.000 bis 5.000 Wohnungen in der Stadt online zur Anmietung zur Verfügung stehen. Der Rückgang freier und auffindbarer Wohnungen steht in Zusammenhang mit den Bevölkerungsgewinnen ab Februar 2022. Im Sommer 2021 waren allein bei Immobilienscout fast 5.000 Wohnungen in Chemnitz verfügbar.
Ein Großteil der anmietbaren, freien Wohnungen weist entweder zwei oder drei Zimmer auf (zusammen 80 %). Kleine Wohnungen bis 45 m² sind in den letzten Jahren seltener geworden, weiterhin aber zu 14 % Teil des Gesamtwohnungsangebots. Große Wohnungen ab 86 m² bzw. mit 4 Zimmern und mehr machen jedes 10. Angebot aus, sind damit das knappste Gut auf dem Wohnungsmarkt. Allerdings lassen sich große Haushalte in der Stadt auch deutlich seltener finden als kleine 1-Personen-Haushalte.
14. Leerstand
Laut Ergebnissen des Zensus standen im Mai 2022 in Chemnitz von 151.900 Wohnungen 16.750 leer (ohne Wohnheime). In Verwendung befindliche Wohnungen wurden in 24.640 Fällen von den Eigentümern selbst bewohnt, 110.308 wurden zu Wohnzwecken vermietet (einschließlich mietfreier Überlassungen), 160 waren privat genutzte Ferien- oder Freizeitwohnungen. Die rechnerische Leerstandsquote in Chemnitz betrug 2022 somit 11,0 %. Dieser Wert war laut Zensus-Daten damit annähernd dreimal so hoch wie der bundesdeutsche Mittelwert (4,5 %). Ostdeutsche Vergleichsstädte mit mindestens 100.000 Einwohnern wiesen allesamt einstellige Leerstandswerte auf: Halle/S. (8 %), Magdeburg (7 %), Leipzig (4 %), Erfurt (4 %), Dresden (4 %), Jena (3 %) Rostock und Potsdam (jeweils 2,5 %).
Der Wert des Zensus 2022-Leerstandes dürfte sich in den letzten 36 Monaten infolge des Bevölkerungsgewinns reduziert haben (Rückgang auf rund 14.000). Dass davon für gewöhnliche Wohnungssuchende nur ein Teil online auffindbar ist, dokumentieren die oben im Abschnitt „Angebotsstrukturen auf dem Mietwohnungsmarkt“ gezeigten Daten.
Leerstandsdaten für Marktakteure liegen für die kommunale Wohnungstochter der Stadt Chemnitz – die Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft mbH (GGG) – sowie für die Gesamtheit der Chemnitzer Wohnungsgenossenschaften vor. Die GGG bewirtschaftete zum Jahreswechsel 2024/2025 23.700 Wohneinheiten, davon standen am Jahresende etwas weniger als 2.100 leer. Die GGG-Leerstandsquote ist in den letzten Jahren deutlich von fast 14 % auf inzwischen unter 9 % gesunken. Die sechs großen Chemnitzer Wohnungsgenossenschaften vermeldeten für den 31.12.2024 bei insgesamt 28.000 Wohnungen einen Leerstand von 7,3 % (2.051 Wohnungen). Als „marktfähig“ werden davon 1.416 Wohnungen (5,2 %) klassifiziert.
Der CBRE-empirica-Leerstandsindex arbeitet für Chemnitz mit einem Wert von 7,0 % im Jahr 2024. Er wird definiert als marktaktiver Leerstand in Geschosswohnungen, d. h. darin enthaltene leere Wohnungen müssen „unmittelbar disponibel (vermietbar) und mittelfristig aktivierbar“ sein. 2021 hatte der Wert noch bei 9,0 % gelegen.






