Statistiken zur Gesamtstadt Chemnitz

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Bevölkerungsentwicklung

Chemnitz hat in den letzten drei Jahrzehnten eine wechselvolle Bevölkerungsentwicklung durchlebt. Nach Jahren des massiven Einwohnerverlustes - infolge von Abwanderung und Geburteneinbruch - in den 1990er Jahren (-47.000 im Zeitraum 31.12.1991 bis 31.12.1999) verlangsamte sich die Schrumpfung in den 2000er Jahren (-20.000 im Zeitraum 31.12.1999 bis 31.12.2009) und drehte im Kalenderjahr 2010 erstmals wieder ins Plus. Ausgehend vom Nachwende-Allzeit von 240.545 (31.12.2011) stieg die Einwohnerzahl in der Stadt bis Ende 2018 auf 247.700 (Hinweis: der hohe 2015er-Wert ist melderechtlich verzerrt, viele der am 31.12.2015 in der Chemnitzer Erstaufnahme-Einrichtung gemeldeten Asylbewerber und Flüchtlinge waren längst auf andere sächsische Städte und Gemeinden verteilt). Seit 2019 geht die Bevölkerung in Chemnitz wieder leicht zurück und lag am 31.12.2021 bei 243.646. Chemnitz hat heute somit ca. 64.000 Einwohner weniger als 1991 (Hinweis: alle genannten Zahlen berücksichtigen bereits die Einwohnerzahlen der in den 1990er Jahren eingemeindeten Stadtteilen, d. h. die Werte bilden die Bevölkerungsentwicklung in den 220 km² des heutigen Stadtgebiets ab; offizielle Einwohnerzahlen der Stadt ohne Eingemeindungen können daher geringer sein, vor allem in den 1990er Jahren).

Werte zur Einwohnerentwicklung in den 39 Stadtteilen seit 1991 finden sich hier.




Haushalte

Nach Jahren des kontinuierlichen Anstiegs reduzierte sich erstmals 2019 wieder die Zahl der Haushalte in Chemnitz (-500 auf ca. 133.000; für 2020/2021 liegen noch keine Werte vor; bei einem Bevölkerungsverlust von ca. 3.200 Menschen in beiden Jahren dürfte eine geringe vierstellige Zahl an Haushalten verloren gegangen sein).

Die Struktur der Haushalte ist – seit 2015 betrachtet – relativ stabil; es dominieren wie in allen Großstädten kleine Haushalte (48 % 1-Personen-Haushalt; 32 % 2-Personen-Haushalte); die durchschnittliche Zahl der Bewohner pro Haushalt ist mit 1,8 seit Jahren konstant. Große Haushalte (ab 4 Personen; 9 % aller Haushalte in Chemnitz) und 1-Personen-Haushalte (11 % aller Haushalte in Chemnitz haben in den letzten Jahren kontinuierlich zugelegt, während 2- und 3-Personen-Haushalte bereits seit Jahren rückläufige Tendenzen aufweisen.

 

Kleinräumige Daten zu den Haushaltsstrukturen in den Stadtteilen finden sich hier.



Die Einkommensentwicklung der Chemnitzer Haushalte seit der Wiedervereinigung ist dreistufig verlaufen (die Einkommen werden hierbei über den Median des Haushaltsnettoeinkommens laut Mikrozensus gemessen). Starken Einkommenszuwächsen in den 1990er Jahren steht eine Phase der Stagnation zwischen 2000 und 2010 entgegen. Ab ca. 2010 beginnen die Einkommen in Sachsen und Chemnitz kontinuierlich zu wachsen – binnen 10 Jahren bis 2019 erhöhen sie sich um mehr als 35 % (aktuellere Daten liegen noch nicht vor), vor allem die Gruppe mit dem höchsten Einkommen (2600 € und mehr) ist in den letzten Jahren deutlich gewachsen. Für den Zeitraum 2017 bis 2019 zeigt der Mikrozensus annähernd konstante Haushaltsnettoeinkommen in Chemnitz (2019: 1.953 €), während der Wert für den Freistaat Sachsen insgesamt weiter gestiegen ist (2019: 2.068 €). Für eine Betrachtung der Einkommensentwicklung im Corona-Zeitalter liegen aktuell keine Daten vor (in Anbetracht vieler Arbeitsverhältnisse in Kurzarbeit dürfte der Mikrozensus 2020 keine Einkommenssteigerung messen).

 

Kleinräumige Daten zur sozioökonomischen Situation in den Stadtteilen von Chemnitz finden sich hier.


Bevölkerungsprognosen

Die Raumordnungsprognose des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) – veröffentlicht im Jahr 2021 – prognostiziert für Chemnitz im Jahr 2040 eine Einwohnerzahl von 227.700. Der Berechnung liegen Daten aus dem Jahr 2017 (246.900 Einwohner) zugrunde. Weitere Informationen dazu finden Sie hier.

Die aktuell vorliegenden Prognosen – erstellt zu verschiedenen Zeitpunkten in den letzten Jahren - kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen, mehrheitlich aber wird ein Bevölkerungsrückgang in Chemnitz prognostiziert. Wichtig ist hierbei zu wissen: alle Prognosen fußen auf harten Daten (Geburten, Sterbefälle, Zuzüge und Wegzüge der letzten Jahre sowie der Altersstruktur in Chemnitz), beinhalten jedoch nicht die Entwicklungsaspekte „Ereignisse von Chemnitz im August 2018“, „Kulturhauptstadt Chemnitz 2025“, „Corona-Pandemie 2020-2022".

Die allerneuesten Bevölkerungsprognosen (Veröffentlichungsjahr 2020/21)

  • 1. Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) – „Raumordnungsprognose“ (https://tableau.bsh.de/views/Prognose/Bevlkerungsprognose): fußt auf Werten von 2017 und errechnet für Chemnitz im Jahr 2040 eine Bevölkerungszahl von 227.700
  • 2. Statistisches Landesamt des Freistaates Sachsen – „7. Regionalisierte Bevölkerungsvorausberechnung“ (https://www.bevoelkerungsmonitor.sachsen.de/regionalisierte-ergebnisse.html): fußt auf 2018er-Werten und errechnet für Chemnitz Bevölkerungszahlen von 242.760 bis 245.420 (2025), 236.770 bis 241.080 (2030) und 225.090 bis 233.920 (2035)

prognostizieren jeweils sinkende Bevölkerungszahlen.

In der Vergangenheit haben sich viele Prognosen als unzutreffend erwiesen. In Anbetracht bekannter Faktoren (Demographie in Chemnitz), aber auch unklarer Entwicklungstendenzen (Corona, Kulturhauptstadt) gilt der alte englische Spruch: „We´re much better at explaining the past than predicting the future“.



Altersstruktur

Das Durchschnittsalter der Chemnitzer Bevölkerung liegt jetzt bereits 10 Jahren bei konstant (gerundet) 47 Jahren (dargestellt sind hier nur Daten bis zum 31.12.2020, d. h. abgebildet sind bereits Altersstrukturen von Chemnitz inkl. der Corona-Einflüsse aus dem Jahr 2020).

 

Ende 2020 lebten ca. 69.800 Rentner ab 65 Jahren in Chemnitz (28,5 %), aber nur 37.200 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren (15,2 %). Insgesamt betrachtet zeigen sich in den letzten Jahren Verschiebungen innerhalb der Alterspyramide: die Zahl der Kinder und Jugendlichen und der Hochaltrigen (80 Jahre und älter) ist gestiegen, während die Gruppe der jungen Erwachsenen (18-29 Jahre) rückläufig ist. Die Gruppe der „30 bis 44-Jährigen“ wächst aktuell noch, wird aber mittelfristig schrumpfen, wenn der „Nachwende-Geburtenknick“ diese Gruppe erreicht; aktuell besteht diese Altersgruppe aus Jahrgängen 1975-1989. Damit einhergehend dürfte die Zahl der Geburten in Chemnitz zurückgehen, da die Zahl der Menschen im Familiengründungsalter (ca. 18-40 Jahre) immer kleiner wird.

Daten zur Altersstruktur in den Stadtteilen finden sich hier.



Durchschnittsalter


Geburten und Sterbefälle

Jahresdurchschnittlich verzeichnete die Stadt Chemnitz in den Jahren zwischen 2015 und 2019 ca. 2.330 Geburten und ca. 3.425 Sterbefälle. Der jährliche Bevölkerungsverlust im Bereich der natürlichen Bevölkerungsbewegung liegt somit in Chemnitz bei ca. 1.100. Im „Corona-Jahr 2020“ lag die Zahl der Sterbefälle bei 3.924 (siehe hierzu: Blog-Artikel „Übersterblichkeit in Chemnitz 2020“), die Zahl der Geburten bei 2.183. Kleinräumige Zahlen zur Geburten- und Sterbefallentwicklung in den Stadtteilen finden Sie hier.




Wanderungen

Die letzten drei Jahrzehnte der Wanderungsstatistik lassen sich in drei Phasen zerlegen.

  • Die kompletten 1990er Jahre bis 2003 waren von einem deutlichen Wanderungsverlust gekennzeichnet, der sich am Ende der Phase immer weiter verringerte. In den 1990er Jahre kamen teilweise 2 Wegzüge auf 1 Zuzug. In dieser Phase lagen die Zuzüge bei durchschnittlich 6.000 bis 7.000 pro Jahr, die Wegzüge dagegen teilweise im fünfstelligen Bereich.
  • In der darauffolgenden Phase von 2004 bis 2009 zeigen sich jeweils leicht wachsende Werte für sowohl Zuzüge als auch Wegzüge – beginnend bei jährlich ca. 7.000 und endend bei mehr als 9.000. Im Saldo beider Werte jedoch konnte Chemnitz keine Bevölkerung gewinnen, schrumpfte aber auch nicht mehr (im Bereich der Wanderungsstatistik).
  • Die dritte Phase beginnend ab 2010 zeigt dann Wanderungsgewinne der Stadt Chemnitz. Im Zeitraum 2010 bis 2019 lag die Zahl der Zuzüge jeweils deutlich über der der Wegzüge, vor allem das Jahr 2015 sticht hierbei heraus. Im Jahresdurchschnitt der neun Jahre verzeichnete Chemnitz jährlich 1700 mehr Zuzüge als Wegzüge; in den Jahren 2014 und 2015 betrug der Wanderungsgewinn dabei +8900 Personen. Ab 2017 „normalisierte“ sich das Wanderungsgeschehen in Chemnitz wieder. Dennoch liegt das Volumen – vergleicht man beispielsweise die Gesamtzahl der Zuzüge und Wegzüge des Zeitraums 2017-2019 mit denen der Jahre 2007-2009 – knapp 40 % höher. Eine deutlich gesteigerte Mobilität wird sichtbar.

Altersstrukturell betrachtet werden die meisten Zuzüge nach Chemnitz durch die Gruppe der 21-39Jährigen realisiert. Knapp die Hälfte der Zuzüge stammt aus dem Ausland. Traditionell werden im 3. und 4. Quartal des Jahres die meisten Zuzüge verzeichnet.

 

Kleinräumige Zuzugs- und Wegzugswerte aus den Chemnitzer Stadtteilen finden sich hier.




Ausländische Bewohnerschaft

Jeder 11. Einwohner in Chemnitz weist keine deutsche Staatsbürgerschaft auf (9,4 %; knapp 23.000 der 244.000 Einwohner von Chemnitz). Der Wert ist in den letzten deutlich angestiegen und hat sich seit 2010 verdreifacht.

Die Entwicklung der ausländischen Bewohnerschaft in Chemnitz, deren Zusammensetzung und Verteilung auf die Stadtteile wurden detailliert im Blog-Artikel "Die ausländische Bevölkerung in Chemnitz und seinen Stadtteilen - ein Überblick" beschrieben.



Wirtschaft

 

Das Bruttoinlandsprodukt in Chemnitz lag im Kalenderjahr 2019 bei 9,3 Mrd. Euro. Es ist in den vergangenen 10 Jahren (Zeitraum 2009-2019; aktuellere Daten liegen noch nicht vor) um mehr als 40 % gewachsen. Einhergehend mit dem wirtschaftlichen Aufschwung vergrößerte sich die Zahl der in Chemnitz (Arbeitsort) tätigen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Diese lag Mitte 2020 bei 116.150 Menschen (im Vergleich zu 2019 wird ein leichter Corona-Rückgang sichtbar). Mehr als 51.000 dieser 116.000 sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten werden von Einpendlern, d. h. von nicht in Chemnitz wohnhaften Personen besetzt.

 

Von den mehr als 92.000 Chemnitzer:innen (Stand 30.06.2020), die einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung nachgehen, arbeiten knapp 65.000 in Chemnitz, die restlichen 27.000 pendeln aus Chemnitz heraus und arbeiten nicht auf dem Stadtgebiet von Chemnitz.

 




Arbeitslosigkeit



Tourismus

Im Kalenderjahr 2020 halbierte sich der Übernachtungstourismus in Chemnitz im Vergleich zum Mittel der Jahre 2015-2019. Die Zahl der Ankünfte reduzierte sich um 49 % auf 134.000, die Zahl der Übernachtungen sank um 44 % auf 290.000. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer erhöhte sich leicht auf 2,2 Tage, u. a. weil der zumeist kürzere Geschäftsreisenden-Tourismus in Chemnitz deutlich zurückging. Im Jahr 2021 werden (Stand Nov. 2021) ungefähr vergleichbar niedrige Werte wie 2020 erwartet.

 

Referenzwerte: Chemnitz verzeichnete im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2019 jährlich 263.000 Ankünfte und 514.000 Übernachtungen. Im letzten Vor-Corona-Jahr 2019 registrierten die Chemnitzer Beherbergungseinrichtungen (Hotels, aber auch Pensionen, Campingplätze, Jugendherbergen) dabei fast 270.000 Ankünfte und 522.000 Übernachtungen. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer je Gast in Chemnitz betrug somit 1,9 Tage. Der Rekord für die meisten Übernachtungen in Chemnitz stammt aus dem Jahr 2014. Damals zählte die Stadt 576.000 Übernachtungen.


Kommunale Finanzen