SPEZIAL: Ukraine-Krieg / Folgen in Chemnitz

Am 24. Februar 2022 begann der russische Überfall auf die Ukraine, der eine gewaltige Fluchtbewegung der Zivilbevölkerung in Gang setzte. Auf der Flucht sind vor allem Frauen und Kinder, Männer zwischen 18 und 60 Jahren dürfen das Land nicht verlassen. Neben Fluchtbewegungen innerhalb der Ukraine haben inzwischen auch mehr als 5 Millionen Ukrainer*innen das Land verlassen. Zumeist über Polen reisten viele Flüchtende auch nach Deutschland. Die folgende Seite beleuchtet die Entwicklung der Zahl der ukrainischen Flüchtlinge in Chemnitz.


Aktueller Stand:

  • 18.05.2022: ca. 2.700 ukrainische Geflüchtete in Chemnitz, darunter ca. 1.300 Frauen sowie mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche (Quelle: Stadtratssitzung am 18.05.2022)
  • 05.05.2022: in Anbetracht des starken Bevölkerungszuwachses im März und April 2022 in Chemnitz (+2.645) ist davon auszugehen, dass sich inzwischen deutlich mehr als 3.000 ukrainische Staatsbürger in Chemnitz aufhalten, wenn die Zahl der Flüchtlinge mit der Zahl der Ukrainer addiert wird, die bereits vor Beginn des Krieges in Chemnitz wohnten

Entwicklung:

18. Mai 2022: Katharina Weyandt - Stadträtin der GRÜNEN im Chemnitzer Stadtrat - vermeldet via Twitter, dass sich "fast 2.700 ukrainische Flüchtlinge beim Sozialamt gemeldet" haben. OB Sven Schulze ergänzt, dass die Stadt damit mehr Flüchtlinge aufgenommen hat als sie nach dem sächsischen Verteilschlüssel aufnehmen müsste. Unter den 2.700 Flüchtlingen befinden sich laut Freie Presse „1.300 Frauen sowie mehr als 1.000 Kinder und Jugendliche. […] Etwa 500 Kinder seien in Schulen aufgenommen worden. Neben den Notunterkünften an der Altendorfer Straße im früheren Sportinternat soll demnächst eine weitere Unterkunft an der Glösaer Straße in Betrieb gehen. Auch diese sei nur für eine vorübergehende Unterbringung vorgesehen, bis eine Einquartierung in Wohnungen erfolge. Laut Ordnungsbürgermeister Miko Runkel gibt es in Zusammenhang mit der Aufnahme und Unterbringung ukrainischer Flüchtlinge bislang keinerlei sicherheitsrelevante Vorkommnisse. "

07. Mai 2022: Ca. 160 ukrainische Flüchtlinge beteiligten sich mit einer Aufräumaktion am Schlossteich an der weltweit ausgerufenen Aktion "Großer Dank und großes Aufräumen". Sie wollten damit laut Freie Presse ihre große Dankbarkeit gegenüber der Stadt und deren Bürger zeigen. Aufgerufen zur Teilnahme hatte der Verein "AG Chemnitz-Ukraine-Europa".

05. Mai 2022: Die Stadt Chemnitz vermeldet für den Monat April ein weiteres Bevölkerungsplus von 953 Menschen. Allein in den Monaten März und April hat sich somit die offizielle Einwohnerzahl in Chemnitz um 2.645 auf inzwischen 246.092 erhöht. Der Bevölkerungszuwachs dürfte nahezu zu 100 % aus der Ankunft ukrainischer Flüchtlinge resultieren. Die größten Bevölkerungszuwächse in Chemnitz verzeichneten der Sonnenberg mit +420, gefolgt vom Zentrum (+366) und Schloßchemnitz (+309; jeweils seit Ende Februar). Auch Stadtteile im Fritz-Heckert-Gebiet legten leicht an Einwohnern zu (Hutholz +86, Helbersdorf +85, Markersdorf +66).

30. April 2022: Der Freistaat Sachsen meldet laut Freie Presse, dass sich inzwischen 41.900 Flüchtende aus der Ukraine in Sachsen registriert haben (konkrete Werte nur für die Stadt Chemnitz werden im Artikel nicht genannt); dazu kommen laut Sächsischem Städte- und Gemeindetag "noch einige Tausend Vertriebene mehr, die sich in Sachsen aufhalten, ohne öffentliche Leistungen beantragt zu haben“. 6.400 ukrainische Kinder und Jugendliche haben sich nach Angaben des Kultusministeriums für den Schulbesuch angemeldet; knapp 4.350 werden bereits an öffentlichen Schulen unterrichtet.

20. April 2022: Laut Angaben der Freien Presse "leben mit Stand vom Wochenbeginn [18./19.04.2022] 2.525 Geflüchtete aus der Ukraine in Chemnitz, davon 511 in der Erstaufnahmeeinrichtung in Ebersdorf. Von den 797 registrierten Kindern gehen inzwischen 259 in Chemnitz zur Schule, 30 besuchen eine Kindertagesstätte... Künftig rechne die Stadtverwaltung mit durchschnittlich 100 Zuweisungen pro Woche aus der Erstaufnahme im Rahmen der Weiterverteilung von Geflüchteten."

16. April 2022: Die Freie Presse schreibt im Zusammenhang mit einem Bericht über den Moritzhof, dass nach Aussagen von Stadt-Pressesprecher Matthias Nowak "inzwischen 2.395 ukrainische Staatsangehörige in Chemnitz gemeldet sind, für 1.708 hat das Sozialamt Leistungen bewilligt." Der Wert steht in Widerspruch zu den Daten vom 09. April - damals war die Rede von 2.500. Eventuell bezieht sich die aktuelle Zahl nur auf Kriegsflüchtlinge, nicht auf die Gesamtzahl der Ukrainer in Chemnitz.

13. April 2022: Die Freie Presse berichtet unter dem Titel "Hotel der Hoffnung", dass im Dorint-Hotel 195 Flüchtlinge Unterkunft gefunden haben: "Es sind genau 100 Erwachsene, vor allem Frauen, und 95 Kinder. Dass nur sehr wenige Männer dabei sind, liegt daran, dass diese im Alter zwischen 18 und 60 Jahren die Ukraine nicht verlassen dürfen."

09. April 2022: Die Freie Presse berichtet, dass "beim Chemnitzer Einwohnermeldeamt zum Ende dieser Woche knapp 2.500 Ukrainerinnen und Ukrainer gemeldet sind, wöchentlich kommen nach Auskunft der Stadtverwaltung etwa 500 hinzu." Da auch vor Beginn des Kriegs bereits eine hohe dreistellige Zahl an ukrainischen Staatsbürgern in Chemnitz wohnte, dürfte die Zahl der Kriegsflüchtlinge in Chemnitz somit bei ca. 1.500 liegen.

07. April 2022: Die Auswirkungen des Russland-Ukraine-Krieges werden nun auch in der offiziellen Einwohnerstatistik von Chemnitz sichtbar. Im Monat März erhöhte sich die Bewohnerzahl um +1.692 auf nun 245.139 (Stand 31.03.2022; Quelle: Stadt Chemnitz - Amt für Informationsverarbeitung).

23. März 2022: Die Freie Presse berichtet mit Verweis auf Aussagen von OB Sven Schulze, dass "sich seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine in Chemnitz bereits mehr als 900 Geflüchtete behördlich registrieren haben lassen, darunter allein gut 450 Frauen und fast 400 Kinder. Die Anzahl derer, die sich tatsächlich in der Stadt aufhalten, dürfte noch höher sein. Wie hoch, wird sich wohl erst im Laufe der Zeit zeigen. Eine behördliche Registrierung ist unter anderem Voraussetzung für den Anspruch auf Sozialleistungen."

17. März 2022: OB Sven Schulze erklärt im Rahmen der gestrigen Stadtratssitzung, dass "475 Geflüchtete (darunter 196 Kinder und Jugendliche) in der Stadt angekommen seien und sich hier registrieren lassen haben. Sie seien privat angereist und untergekommen." Die Freie Presse rechnet weitere "knapp 50 Geflüchtete, die am Dienstagabend die Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Pionierlager Einsiedel erreichten" hinzu und stellt fest, dass "knapp drei Wochen nach der Invasion Russlands in der Ukraine über 500 Geflüchtete aus dem Land in Chemnitz leben".

16. März 2022: Bloomberg berichtet über zwei in Chemnitz eingerichtete Schulklassen für ukrainische Flüchtlingskinder.

15. März 2022: Die Freie Presse berichtet unter der Überschrift "Stadt wartet auf ukrainische Flüchtlinge", dass "bisher keine Busse mit Vertriebenen angekommen sind." Die Richard-Hartmann-Halle im Zentrum und die Sporthalle des Terra-Nova-Campus an der Heinrich-Schütz-Straße sind für die Aufnahme ukrainischer Kriegsflüchtlinge bereit. Auch in der Erstaufnahmeeinrichtung im Pionierlager Einsiedel waren entgegen erster Ankündigungen vom Ende voriger Woche über das Wochenende noch keine Flüchtlinge angekommen.

12. März 2022: Sächsische Kommunen bereiten weitere Unterkünfte für Ukraine-Flüchtlinge vor, da die vom Freistaat Sachsen betriebenen Erstaufnahmeeinrichtungen "inzwischen nahezu ausgelastet sind". Die Stadt Chemnitz kündigte an, ab Montag [14.03.] für zunächst drei Wochen bis zu 400 Plätze in der Richard-Hartmann-Halle vorzubereiten. Die Stadt richtet sich auf die Zuteilung von 5.000 Flüchtlingen aus der Ukraine ein. Im ehemaligen Pionierlagen in Einsiedel werden bereits an diesem Wochenende [12/13.03.] die ersten Flüchtlinge erwartet. Verantwortlich dort ist nicht die Stadt, sondern die Landesdirektion als für die Erstaufnahme zuständige Behörde des Freistaats. Sie geht von zunächst etwa 100 Menschen aus, die in einem früheren Pionierlager am Rande des Stadtteils untergebracht werden. Die Gesamtkapazität der Anlage liege bei rund 500 Plätzen. (Quelle: Freie Presse)

07./08. März 2022: Einhundert weitere Menschen aus der Ukraine erreichen Chemnitz. Ein von Freiwilligen und zwei Landtagsabgeordneten (Kathleen Kuhfuß / Susanne Schaper) organisierter Konvoi bringt die Frauen und Kinder aus der polnisch-ukrainischen Grenzregion nach Chemnitz. In den Folgetagen erreichen weitere Hilfskonvois die Stadt und bringen Flüchtende mit. Sowohl Vereine als auch Unternehmen engagieren sich. Jugendherbergen, Hotels, Privatunterkünfte stellen Schlafplätze bereit.

01. März 2022: Die Freie Presse berichtet über die Vorbereitungsarbeiten der Stadtverwaltung Chemnitz zur Schaffung von Unterbringungsplätzen; erste Flüchtlinge sind bereits eingetroffen: "In Chemnitz sind am Freitagabend [25.02.] die ersten Flüchtenden, eine Familie aus Lwiw, angekommen. Hunderte, womöglich tausende weitere könnten bei andauernden Kriegshandlungen in ihrer Heimat in den kommenden Wochen und Monaten Chemnitz erreichen."

24. Februar 2022: Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hat begonnen. Um vier Uhr morgens rücken russische Militärfahrzeuge von Norden (auch aus Weißrussland), Osten und Süden (von der besetzten Halbinsel Krim aus) auf ukrainisches Staatsgebiet vor


Februar 2022: Stand 31.12.2019 (aktuellere Zahlen liegen noch vor) lebten 876 ukrainische Staatsbürger in Chemnitz. Sie bildeten damit zu diesem Zeitpunkt die achtgrößte Bevölkerungsgruppe innerhalb der ausländischen Bevölkerung in Chemnitz.