Ratgeber "Chemnitz für Zuzugswillige" - Überblick über Stadtteile und Wohnlagen

Jeden Monat ziehen rechnerisch knapp 1.100 Menschen neu nach Chemnitz – in den letzten fünf Jahren (2016-2020) waren es insgesamt 65.000 Personen. Diese zumeist jungen Menschen (80 % der Zuziehenden waren 39 Jahre und jünger; ein Großteil davon junge Erwachsene zwischen 18 und 29 Jahren) mussten sich erst mit dem Pro und Contra von Chemnitz auseinandersetzen und nach dem Urteil „Daumen hoch!“ eine konkrete Wohnstandortentscheidung in der Stadt treffen. Dies kann unter Umständen gar nicht so einfach sein: in Anbetracht der günstigen Mieten und des reichhaltigen Wohnungsangebotes (über die Situationen des Wohnungsleerstandes haben wir hier einen großen Artikel geschrieben) hat der Zuzugswillige in Chemnitz vielfältigste Optionen. Getreu dem Motto „Wer die Wahl hat, hat die Qual“ beginnen manche dann mit der großen Google-Suche: „Beste Stadtteile Chemnitz“, „Stadtteile Chemnitz Bewertung“ „beste Wohnlage Chemnitz“, „Problemviertel Chemnitz“ usw - die dabei erscheinenden Artikel sind allerdings zumeist von der Immobilienbranche "gefärbt", sodass man als Chemnitz-Interessierter nicht zwangsläufig schlauer wird.

 

Wir von CHEMNITZ in ZAHLEN empfehlen Dir, den "Spieß umzudrehen" und Dir selbst im Vorfeld klar zu werden, was Du willst (Party, Uni, Ruhe, Kinder), wie die Ressourcen aussehen (z. B. Auto / kein Auto), wie Du im Lebenszyklus stehst (Single, verpartnert ohne Kinder, Familie mit Kindern) und was du in den nächsten Jahren in Chemnitz vorhast (Studium, erster Job, langfristig sesshaft werden). Denn eines gewiss: Du findest in JEDEM der 39 Stadtteile von Chemnitz eine Wohnung, die 5 Euro je Quadratmeter Wohnfläche kostet. Da (Miet-)Wohnen in Chemnitz nicht an der Bezahlbarkeit scheitert, kannst Du Deine eigenen Maßstäbe ansetzen und Dich so - peu à peu - dem Wunsch-Stadtteil annähern.


Welche Maßstäbe kann man ansetzen? Welche Bewertungsdimensionen spielen eine Rolle?

  • Bezahlbarkeit
  • Größe der Wohnung / Wohnfläche
  • Art des Wohngebäudes
  • Lage im Stadtgebiet / Entfernung zum Stadtzentrum
  • Wo musst Du regelmäßig hin (Arbeitsplatz, Ausbildungsstätte, Uni)?
  • Party / Freizeit
  • Milieu / Mit-Menschen im Stadtteil
  • Deine Anforderungen an Infrastruktur
  • Dein Wunsch nach Ruhe

Sofern Du nicht gerade eine Vier-Raum-Wohnung mit 110 Quadratmetern inkl. 2 Stellplätzen auf dem Kaßberg oder eine Single-Penthouse-Wohnung in Adelsberg suchst, dürften Bezahlbarkeit und Größe der Wohnung keine allzu große Rolle spielen. Es gibt in allen Stadtteilen ausreichend freie Wohnungen - vor allem im Segment der Zwei- und Drei-Raum-Wohnungen ist ein Überangebot in der Stadt vorhanden; entsprechend günstig sind die Angebotsmieten. 82 Prozent aller Angebotswohnungen in Chemnitz kosteten (lt. Wohnungsmarkt-Report Chemnitz 2021/22; Stand Herbst 2020) zwischen 4,00 und 5,99 €/m². (Wenn Du zwingend auf eine "superbillige" Wohnung angewiesen bist, schau auf dem Sonnenberg - dort ist das Angebot an preisgünstigem Wohnraum am größten; du wirst aber auch in allen anderen innerstädtischen Stadtteilen und im Fritz-Heckert-Gebiet "Schnäppchen" finden.)

 

Bevor wir die genannten Dimensionen beleuchten (und Du währenddessen für Dich selbst entscheidest und priorisierst, was willst Du, was Du nicht willst und was Dir egal ist), lassen wir kurz die Zahlen derer sprechen, die vor Dir in den letzten Jahren nach Chemnitz gezogen sind. Die Top 10-Zielstadtteile der nach Chemnitz von außerhalb der Stadt gezogenen Menschen (d. h. ohne innerstädtische Umzüge) waren:

  1. Bernsdorf (Klick auf den Link führt zum jeweiligen Stadtteil-Profil)
  2. Zentrum
  3. Sonnenberg
  4. Kaßberg
  5. Schloßchemnitz
  6. Gablenz
  7. Kappel
  8. Lutherviertel
  9. Altendorf
  10. Hilbersdorf

(Hinweis: Wir haben Ebersdorf aus dieser Statistik herausgelassen. Der Stadtteil beherbergt eine Erstaufnahmeeinrichtung des Freistaates Sachsen für Asylbewerber und Flüchtlinge, die die Zuwanderungsstatistik massiv verzerrt).

 

Die 10 aufgeführten Stadtteile sind allesamt mehr oder weniger innerstädtische bzw. zentrumsnah gelegene Stadtteile von Chemnitz. Bernsdorf als Standort der TU Chemnitz zieht regelmäßig die meisten Zuziehenden an. Klammert man Ebersdorf aus, so zeigt sich, dass die TOP 5 (Bernsdorf, Zentrum, Sonnenberg, Kaßberg, Schloßchemnitz) zusammen mehr Zuzüge verzeichneten als die restlichen 33 Stadtteile von Chemnitz zusammen. Solltest Du also einen dieser Stadtteile auf dem Schirm haben, machst Du schonmal nicht viel falsch, denn viele andere haben sich auch schon so entschieden.



Aber zurück zum Thema "Wer die Wahl hat, hat die Qual" und den oben genannten Dimensionen bzw. Maßstäben!

 

1. Art des Wohngebäudes

Vereinfacht gesagt kannst Du in Chemnitz zwischen fünf Wohngebäudetypen im Mietwohnungssegment wählen:

  • gründerzeitlicher Altbau (bis 1918)
  • Wohngebäude aus der Zwischenkriegszeit (1920/30er Jahre)
  • Gebäude aus der frühen DDR-Zeit (1950/60er Jahre)
  • Plattenbauten (1970/80er Jahre) und
  • Nachwendeneubauten (ab 1990 bis 2020).

[Solltest Du bereits "mental-finanziell" in der Liga spielen, wo du ein Einfamilienhaus kaufen möchtest/kannst und/oder am Stadtrand wohnen willst, wirf mal einen Blick auf die Stadtteil-Profile am suburbanen Rand von Chemnitz. Die medial bekanntesten Eigenheim-Standorte sind Adelsberg und Rabenstein. Aber Du kannst natürlich genauso gut in Glösa-Draisdorf (Norden), Klaffenbach (Süden), Grüna (Westen) oder Euba (Osten) wohnen. Der sog. "Speckgürtel" von Chemnitz existiert in allen Himmelsrichtungen. Die genannten Stadtteile sind allerdings allesamt suburban-ländlich geprägt und haben wenig mit der GROßSTADT Chemnitz zu schaffen.]

In vielen innerstädtischen Stadtteilen findest Du von allen Gebäudetypen Exemplare. In manchen Stadtteilen konzentrieren sich bestimmte Gebäudetypen (klassische Altbauviertel mit überwiegend einer Bausubstanz oder reine Plattenbaugebiete) und prägen dann dort das Image. Hinweis: die Gebäude mögen optisch unterschiedlich aussehen, sanierungstechnisch sind sie aber alle ungefähr auf dem gleichen Stand (grob formuliert sind alle in Chemnitz vorhandenen Wohnungen zwischen 1995 und 2010 saniert worden).

 

Wenn Du also schon immer mal in einem gründerzeitlichen Altbau, in einem 9-geschossigen Plattenbau (zumeist tolle Aussicht, wenn man ganz oben wohnt) oder in einer Gartenstadt-Siedlung wohnen wolltest: Du hast die Wahl. Grobe Faustregel: Die kommunale Wohnungsgesellschaft GGG und die Wohnungsgenossenschaften bieten Wohngebäude aus der DDR-Zeit, der "freie" Wohnungsmarkt (viele Kleinvermieter) bietet Altbausubstanz und die Wohngebäude, die nach 1990 errichtet wurden.

Die größten Wohnungsmarkt-Anbieter von Mietwohnungen in Chemnitz sind:

  • Grundstücks- und Gebäudewirtschafts-Gesellschaft (kommunales Unternehmen)
  • WG „Einheit“ (Genossenschaft)
  • WBG Chemnitz-Helbersdorf (Genossenschaft)
  • WBG Chemnitz West (Genossenschaft)
  • Chemnitzer Siedlungsgemeinschaft (Genossenschaft)
  • Sächsische Wohnungsgenossenschaft Chemnitz (Genossenschaft)
  • Chemnitzer Allgemeine Wohnungsgenossenschaft (Genossenschaft)
  • TAG Wohnen
  • Grand City Property
  • Adler Real Estate
  • ZBI-Gruppe Zentral Boden Immobilien

Bei den großen Immobilienbörsen (Immobilienscout/-net/-welt) und den Webseiten der Wohnungsunternehmen findest locker 5.000 verschiedene Wohnungen.


2. Lage im Stadtgebiet / Entfernung zum Stadtzentrum

Chemnitz ist eine - territorial betrachtet - eine große Stadt. Mehr als 220 Quadratkilometer Stadtfläche sorgen dafür, dass du neben der Kernstadt auch suburban-ländliche Stadtteile und Übergänge zwischen diesen beiden Typen findest. Außerdem findest Du im Süden von Chemnitz das Fritz-Heckert-Gebiet - eines der größten Plattenbaugebiete Ostdeutschlands (oben in der Karte lila markiert). Das ÖPNV-Netz der CVAG in Chemnitz ist gut ausgebaut (wenn Du nicht gerade nach Einsiedel oder in Kleinoberdorf-Altenhain wohnst), sodass Du immer irgendwie nach Hause kommen wirst. Wenn Du ein Auto hast oder gern Fahrrad fährst (die Radwegesituation in Chemnitz ist bislang eher "suboptimal"; die Stadt Chemnitz bemüht sich aber um Besserung,), spielen der Bus oder die Bahn natürlich keine Rolle. Aber: Es gibt Stadtteile in der Stadt, da kannst Du - rein entfernungsmäßig - vom Stadtzentrum nicht mehr Hause laufen (es sei denn, du hast viel Zeit). Wenn Du also bspw. ins Hutholz ziehen willst oder nach Harthau oder nach Siegmar / Reichenbrand, musst Du Dir im Klaren sein, dass es bis in die Innenstadt teilweise 5 bis 7 Kilometer sind - von noch weiter entfernten Stadtteilen ganz am Rand wollen wir hier an der Stelle gar nicht reden.

Schlussendlich hängt die Lageentscheidung natürlich immer auch davon ab, wo Du in Chemnitz regelmäßig hin musst (und welche Wege Du in Kauf nehmen willst). Wenn Du an der Uni in Bernsdorf oder im Zentrum studierst und kein Auto hast, macht eine innerstädtische Wohnlage mehr Sinn als wenn Du als Krankenschwester im DRK-Krankenhaus in Rabenstein arbeitest.


3. Party / Freizeit

Chemnitz bietet wie vergleichbare Großstädte auch ein umfangreiches und zugleich weites Spektrum an Sport-, Kultur- und Freizeiteinrichtungen (siehe hierzu für Termine und Events STADTSTREICHER oder DREISIEBENEINS). Wichtig für den Aspekt des Wohnens und der Wohnstandortfrage ist dabei zu wissen, dass es außerhalb des Zentrums relativ schnell ziemlich ruhig wird (selbst manche Neu-Kaßberger sind verwundert, wie wenig im Stadtteil los ist). Selbst zentrumsnahe Stadtteile weisen bspw. nur geringe Kneipen-Dichten auf. Glaube also nicht, einfach nach Altendorf ziehen zu können und dort sofort eine Stammkneipe vorzufinden. Dazu kommt, dass Chemnitz viele seiner Stärken erst auf den zweiten Blick entfaltet. Viele coole Einrichtungen liegen etwas versteckt. Es kann also nicht schaden, wenn Du nach dem Chemnitz-Zuzug irgendjemand kennenlernst, der Dir auch mal von - abseits der bekannten Einrichtungen in der Innenstadt - Locations berichten kann (z. B. Schönherrfabrik in Schloßchemnitz, AJZ in Furth), die man nur findet, wenn man sie kennt bzw. gezeigt bekommt.



4. Milieu / Mit-Menschen im Stadtteil

Es gibt in Chemnitz (wie in jeder anderen Stadt auf der Welt auch) viele tolle und nette Menschen, aber auch einen Haufen komische Leute... Schau Dir die Wahlergebnisse der letzten Jahre an, da kannst Du erahnen, wie unterschiedlich die Leute ticken. Die Menschen sind - und das ist das Gute - aber disproportional, also ungleich verteilt (der Soziologie würde von "Segregation" sprechen), was wiederum Dir die Möglichkeit bietet, aus den Stadtteilen Dir das liebste Klientel herauszupicken bzw. manche Menschengruppen einfach zu umgehen.

Segregation kann man im Hinblick auf Alter, auf Haushalte, auf Familienstand, auf Einkommen, auf Erwerbstätigkeit, auf Staatsbürgerschaft, aber auch auf politische Einstellung betrachten. Willst Du bspw. in einen Stadtteil mit vielen Single-Haushalten ziehen, in einen bunt gemischten Stadtteil mit hohem Anteil an ausländischer Bewohnerschaft, in einen Stadtteil mit vielen Familien, mit vielen GRÜNEN-Wählern (oder LINKSPARTEI-, SPD-, CDU-, AfD- oder PARTEI-Wählern... hoffentlich haben wir keinen vergessen... doch die FDP), mit viel Eigenheimen, mit vielen Kinderwägen, mit...  weiß der Geier was, Du hast die Wahl. Wirf also einen Blick auf die folgenden Karten, die Dir ein Gefühl geben sollen, wie die Stadtteile "bevölkerungsmäßig" zusammengesetzt sind.

 

1. Einpersonen-Haushalte

Einpersonen-Haushalte sind längst nicht alles Single-Haushalte, aber wenn Du auf Partner-Suche bist, solltest Du nicht an den Stadtrand ziehen.

2. Junge Erwachsene in den Stadtteilen

Junge Erwachsene - vor allem Studierende - finden sich naturgemäß am öftesten in Bernsdorf, wo weite Teile der TU Chemnitz beheimatet sind.

3. Haushalte mit vielen (kleinen) Kindern

Die meisten Kinder werden in Chemnitz in den Stadtteilen mit viel Gründerzeitbausubstanz geboren. Wo viele Kinder leben, sind zumeist auch viele Familien zu finden. Die meisten Familien mit Kindern unter 18 Jahren gibt es auf dem Kaßberg, dem Sonnenberg und Gablenz. Anteilig betrachtet gibt es am Stadtrand mehr Familien (v. a. in den Eigenheimen) als in der Kernstadt, da am Stadtrand viel weniger 1-Personen-Haushalte zu finden sind.



4. Stadtteile mit vielen oder wenigen Wählern (Wahlbeteiligung)

Je weiter man sich dem Stadtrand nähert, desto höher wird die Wahlbeteiligung. Ausnahme ist das Fritz-Heckert-Gebiet im Süden von Chemnitz.

Wir wollen die politische Komponente hier in diesem Beitrag nicht überstrapazieren. Du findest im Bereich WAHLERGEBNISSE bis hin zur Ebene der Wahlbezirke (Teilbereiche eines Stadtteils) detaillierte Ergebnisse, die die das weite Spektrum der Wahlentscheidungen der Chemnitzer Bevölkerung dokumentieren. Ein Blick auf die Karte der Wahlbeteiligung zeigt, dass der Kaßberg - für Chemnitzer Verhältnisse - innerstädtisch betrachtet das außergewöhnlichste Wahlergebnis aufzeigt.

5. Stadtteile mit ausländischer Bevölkerung

Die Achse Bernsdorf-Zentrum-Sonnenberg weist die höchsten Anteile ausländischer Bewohner auf. Hierunter fallen studierende, viele EU-Ausländer, die zum Leben und Arbeiten nach Chemnitz gekommen sind, sowie viele Flüchtlinge und Asylbewerber, die bereits seit einigen Jahren in Chemnitz wohnen.

6. Stadtteile mit vielen oder wenigen Empfängern von existenzsichernden Leistungen (umgangssprachlich Hartz IV genannt)

Innerstädtische Stadtteile (v. a. der Sonnenberg, das Zentrum und das Lutherviertel sowie Hilbersdorf) sowie die fünf Stadtteile des Fritz-Heckert-Gebiets im Süden von Chemnitz weisen die höchsten Anteile an Empfängern existenzsichernder Leistungen auf.

7. Stadtteile mit vielen Mietern

In Stadtteilen mit vielen Mieterhaushalten sind Bebauungs- und Wohnstrukturen am "urbansten", hier ist naturgemäß das Angebot an Mietwohnungen am größten. Dort, wo wenige Mieter wohnen, da leben viele Eigentümer, vornehmlich in Einfamilienhäusern im Speckgürtel der Stadt.


5. Infrastruktur

Wenn Du 26 bist, bedeutet Dir Infrastruktur normalerweise etwas anderes als im Alter von 82. Wenn Du drei Kinder hast, wird für Dich die Schulsituation eine andere Bedeutung haben als für einen Erstsemester-Studenten. Generell lässt sich für die Kernstadt von Chemnitz sagen: Die Situation im Bereich der Nahversorgung ist optimal (vor allem an den Ausfallstraßen gibt es viele Lebensmittelhändler); die Situation bei den Haus- und Fachärzten ist angespannt (viele gehen in Rente; Nachwuchs ist nur bedingt in Sicht; allerdings wird hier "auf hohem Niveau gejammert"), dafür gibt es drei große Krankenhäuser (eins in Altendorf, eins in Rabenstein und eins an der Grenze Sonnenberg/Yorckgebiet). Es gibt ca. 40 Grundschulen (fast in jedem Stadtteil eine, in manchen mehrere), diverse Oberschulen und Gymnasien (die Gymnasien sind allerdings etwas ungleich im Stadtgebiet verteilt) und für die "ganz besonderen Kinder" auch noch einige besondere Schulen (z. B. das Chemnitzer Schulmodell in Kapellenberg, die Waldorf-Schule in Borna-Heinersdorf oder die Montessori-Schulen in Stelzendorf oder im Yorckgebiet). Nicht unerwähnt sollen auch die (gefühlt) 150 Kindertagesstätten in der Stadt sein, die jedem noch so kleinen Kind einen Platz und neue Spielkameraden anbieten können. Weiterhin existieren diverse Einkaufscenter, z. B. das Chemnitz-Center in Röhrsdorf, die Sachsen-Allee auf dem Sonnenberg, den Neefepark (inkl. IKEA) in Stelzendorf, das VITA-Center im Heckert-Gebiet (Morgenleite) und natürlich die Innenstadt mit dem KAUFHOF (der zumindest bis 2025 nicht geschlossen werden wird). Kurzum: Chemnitz mag Freunde und Feinde haben, aber infrastrukturell gesehen gibt´s an der Stadt - wenn Du nicht gerade Berlin oder Hamburg als Maßstab nimmst und die Bahnverbindung nach Chemnitz ausklammerst - nichts zu meckern.



6. "Ruhe" und in "Ruhe gelassen werden"

Ruhig wohnen und in Ruhe gelassen werden können wie in jeder anderen Stadt auch zwei verschiedene paar Schuhe. Abseits der großen Ausfallstraßen lässt sich eigentlich überall ruhig wohnen – die Stadtverwaltung hat in den letzten Jahren in den Wohngebieten im großen Stil "30er Zonen" etabliert, sodass Verkehrslärm – zumindest ab abends - keine große Rolle mehr spielen sollte.

 

In einigen Stadtteilen ist der Altersdurchschnitt ziemlich hoch, sodass Du Gefahr läufst, mit dem jugendlichen Elan den ein oder anderen Rentner zu verschrecken. Vor allem in Stadtteilen mit viel DDR-Bausubstanz und teilweise auch bei den Wohnungsgenossenschaften ist der Altersdurchschnitt relativ hoch. Wenn du also Party machst, kann es sein, dass sich einer der Hausbewohner (der "dort schon immer wohnt") gestört fühlt. Wenn Du mit deinem Sohn auf Wäscheplatz Fußball spielst, kannst Du dich drauf verlassen, dass dir fünf Rentner freudig aus dem Fenster zuschauen und der sechste euch zuruft, dass ihr den Rasen nicht "zertrampeln" sollt (obwohl es eigentlich nur ein Wäscheplatz ist).


Fazit:

Wenn Du den Artikel bis zum Fazit gelesen hast, freut uns das. Gleichzeitig hoffen wir von CHEMNITZ in ZAHLEN, dass er Dir in irgendeiner Weise weiterhelfen konnte. Natürlich ist uns bewusst, dass die Lebensentwürfe verschieden sind und sich Wohnwünsche an Wohnung, Wohngebäude und Wohnlage unterscheiden können. Wenn Du aber ein junger Mensch zwischen 18 und 29 bist, nach Chemnitz ziehen willst (sei es wegen der Uni, wegen der Lehre, wegen dem ersten oder zweiten Job), dann spricht nichts dagegen, in einen der zentrumsnahen Stadtteile zu ziehen, wo die Wege kurz sind und von wo aus deine Arbeits- oder Ausbildungsbildungsstätte gut zu erreichen ist.

 

Mit dem Titel der „Europäischen Kulturhauptstadt 2025“ wird sich das kulturelle Leben in Chemnitz weiter verbessern, die Zahl der Events in der City bzw. Innenstadt werden bereits im Vorfeld und in Vorbereitung auf 2025 zunehmen (wenn dann hoffentlich Corona irgendwie überstanden ist). Die Kernstadt bietet alles, was Chemnitz ausmacht (im Guten wie im Schlechten), außerdem ist Wohnraum in allen Facetten (preislich, Bausubstanz) vorhanden. Ein Großteil der Freizeit- und Kultureinrichtungen (z. B. Theater, Kino, Shopping) zentriert sich innerstädtisch oder zumindest zentrumsnah. Ob du dann nun den Kaßberg, den Sonnenberg, das Zentrum, Schloßchemnitz oder zwecks Uni-Nähe Bernsdorf oder das Lutherviertel wählst, ist eigentlich – salopp formuliert – egal (Stichwort Sonnenberg: je nach Risikoaffinität werden Dir manche vom Sonnenberg abraten, andere schwärmen von ihm. Wenn Du auf „Nummer Sicher“ gehen willst, wähle einen anderen Stadtteil - wenn du das pralle Leben und die volle Dosis Ostdeutschland erleben willst, spricht nichts dagegen…)

 

Aber zurück zu Kernstadt vs. „weiter draußen“ bzw. Stadtrand: Wenn Du „weiter raus“ in einen Stadtteil ziehst, wo Du nicht mehr guten Gewissens in die (Innen-)Stadt laufen oder mit dem Fahrrad fahren kannst (z. B. nach Siegmar, Morgenleite, Markersdorf, Borna-Heinersdorf), solltest Du für Dich einen plausiblen Grund haben (z. B. Nähe zum Arbeitsplatz). Ruhe kann es nicht sein, die findest Du in vielen kernstädtischen Stadtteilen auch (wenn Dir irgendwann der Trubel der Kernstadt zu groß wird, hast Du später immer noch gefühlt 25 Stadtteile in Chemnitz zur Auswahl, wo Du hinziehen und dort abends die Vögel zwitschern hören kannst…)

 

Mit Kindern nach Chemnitz zu ziehen, ist dann schon etwas anderes. Kindertagesstätten und Grundschulen gibt es überall in allen Stadtteilen; Oberschulen und Gymnasien dagegen sind ungleich verteilt (schau mal hier, wo sie sich befinden und wo nicht). Der Stadtrand bietet ruhiges und gepflegtes Wohnen, aber wenn Deine Kinder jeden Tag von Glösa-Draisdorf oder Mittelbach in eines Chemnitzer Gymnasien fahren sollen, werden sie frühzeitig merken, wie groß Chemnitz ist. Dieser Artikel soll aber kein Erziehungsratgeber sein, sodass wir das Thema an der Stelle ruhen lassen.

 

Wenn Du natürlich Oberarzt im Klinikum Chemnitz bist oder Chef des VW-Motorenwerks werden willst, dann wirst du normalerweise nicht auf eine 50 Quadratmeter-Wohnung schielen, sondern höchste Wohnqualität suchen. Die findest Du reihenweise am Stadtrand (es gibt in Chemnitz ca. 15.000 Einfamilienhäuser) sowie neuerdings auch innerstädtisch. In den letzten Jahren haben Projektentwickler und Wohnungsunternehmen begonnen, hochwertigen Miet-Wohnraum oder Eigentumswohnen in Zentrumsnähe zu schaffen (z. B. Tanzende Siedlung auf dem Kaßberg, Poelzig-Bau an der Zwickauer Straße, Wohnungen auf dem Brühl, BRAU und BOEGEN-Gebäude in Altchemnitz/Kapellenberg, um nur einige zu nennen), der evtl. für Personen geeignet ist, die nicht im suburbanen Eigenheim wohnen wollen oder aber nur temporär in Chemnitz verbleiben werden.


Hier siehst Du noch einmal eine Übersicht über alle Stadtteile und deren Lage im Stadtgebiet von Chemnitz. Wenn Du auf einen Stadtteil klickst, gelangst Du direkt zum jeweiligen Stadtteil-Profil.

Wenn Du Fragen zu Chemnitz, einem Stadtteil, einer bestimmten Straße oder Wohnlage hast oder Dir unsicher bist, ob sich dort gut wohnen lässt, schreib einfach ins Kontaktformular. Wir helfen Dir gern, unkompliziert, schnell und kostenlos.


"Dislaimer": Der Autor dieses Artikels wohnt seit seiner Geburt vor über 40 Jahren in Chemnitz / Karl-Marx-Stadt. Über die Stationen Hilbersdorf (unsanierter Altbau), Fritz-Heckert-Gebiet (Helbersdorf; Plattenbau), Reichenhain (Eigenheim der Eltern), Kaßberg (billiger Altbau an der Limbacher Straße) gelangte er in den Stadtteil Altendorf (manchmal zu ruhiger Altbau in einer Seitenstraße). Er fährt mit dem Fahrrad zur Arbeit, die Kinder können in die Schule laufen.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0